
Lange Jahre haben sie die Ostsee-Saison eingeläutet. Heute findet man den skurrilsten Fisch der Ostsee immer seltener. Die Rede ist von den putzigen Seehasen.
Der Seehase gehört zur Familie der Lumpfische und Barschartigen. Er besitzt keine Schuppen und keine Schwimmblase. Dafür haben sich seine Bauchflossen zu einer Saugscheibe umgewandelt. Der Körper ist mit Knochenhöckern versehen, die dem Fisch ein plumpes Aussehen verleihen. Seehasen erinnern an Koffer- oder Kugelfische aus tropischen Meeren und sind genauso schlechte Schwimmer. Doch ausgewachsen können sie bis 70 cm groß werden. Meist werden sie aber nicht so groß, da ihr Bestand durch die Verwendung des Rogens als „Deutscher Kaviar“ und weitere Einschränkungen im Lebensraum abnimmt.
Die ulkigen Tiere leben bodennah über steinigem Grund im nördlichen Atlantik sowie der Nord- und westlichen Ostsee. Sie bevorzugen kühleres Wasser bis in Tiefen von 800 Metern. Doch zur Laichzeit steigen sie in küstennahes Flachwasser auf. Das Weibchen legt die Eier bevorzugt an festen Ausläufern, Pfählen oder auf Steinen ab. Die Brutpflege übernimmt das Männchen, das in dieser Zeit leuchtend orange bis pink gefärbt ist. Für Taucher sind sie deshalb seit jeher ein beliebtes Fotomotiv. Zudem sind sie sehr angriffslustig. Es ist schon drollig, wenn sich dieser plumpe Klumpen drohend vor der Tauchmaske aufplustert und dabei hilflos mit seinen Stummelflossen rudert. Dieses Schauspiel konnte man noch bis vor zehn Jahren wie selbstverständlich im Frühjahr erleben. Hatte man erkannt, an welchen Stellen, die „Leuchtbojen“ bevorzugt brüten, waren fünf bis sechs Tiere in einem Tauchgang keine Seltenheit. Hotspots zum Hasentauchen waren die Mole in Eckernförde, die TVA von Surendorf oder das Kreideriff vor Rügen. Doch Stellnetze, schädliche Nährstoffeinträge und der zunehmende Verlust des Lebensraums durch Baumaßnahmen haben den Bestand in den vergangenen 20 Jahren um bis zu 70 Prozent reduziert.
Wer heute noch Seehasen findet, hat großes Glück. Denn sie stehen kurz davor, als gefährdet“ eingestuft zu werden.
Text: Elmar Klemm
Foto: Thorsten Voss

