Heiliger Rasen

Seit einigen Jahren bekommt eine Pflanze wachsende Aufmerksamkeit: das Seegras. Was ist dran an dem Wunderhalm, der plötzlich von Klimaforschern, Biologen, Tauchern und Umweltaktivisten gleichermaßen gefeiert wird?

Zunächst ist wichtig zu wissen, dass Seegras wirklich Gras ist. Also keine Alge. Es bildet Wurzeln, blüht und pflanzt sich fort. Einst hat es sich aus dem Meer an Land ausgebreitet und ist schließlich wieder ins Wasser zurückgekehrt. Hier übernimmt es wichtige Aufgaben im Küstenschutz und zur Aufrechterhaltung der Artenvielfalt. Vor allem aber ist Seegras ein hervorragender CO2-Speicher. So kann ein Quadratmeter Seegras im Jahr bis zu 50 Gramm Kohlenstoff binden und im Boden ablagern. Das entspricht der 30-50fachen Leistung einer vergleichbaren Waldfläche.

Doch Seegras ist inzwischen großem Stress ausgesetzt. Das Nährstoffüberangebot und der Temperaturanstieg setzen den Wiesen zu. Außerdem reagiert Seegras sehr sensibel auf Sedimentablagerungen. Sind die Halme bedeckt, können sie keine Photosynthese mehr betreiben und sterben ab. Man muss kein Genie sein, um sich ausrechnen zu können, welche Sedimentmassen beim Bau von Windparks, Tunneln oder dem Verlegen von Seekabeln bewegt werden. In der deutschen Ostsee umfassen die Seegraswiesen etwa 285km². Tendenz abnehmend.

Diese Entwicklung hat unter anderem Taucher auf den Plan gerufen. Sie beobachten den Rückgang seit Jahren. Und immer mehr stellen ihre Fertigkeiten dem Schutz zur Verfügung und pflanzen über verschiedene NGOs Seegras zurück. Vereinfacht darf man sich das so vorstellen: Einer gesunden, üppigen Spenderwiese werden Gräser entnommen und in einzelne Setzlinge aufgeteilt. Gleichzeitig werden mögliche Pflanzgebiete auf ihre Eignung hin überprüft. Ein solches Zielgebiet wird dann nach einem Raster bepflanzt und der Wuchs in einem dauernden Monitoring kontrolliert. Die Qualifizierung zur Renaturierung erfolgt über mehrere Organisationen, das Geomar Institut und Sea Shepherd. Frag doch einfach mal in deinem Top Dive Shop nach.

Text: Elmar Klemm
Foto: Myriam Spicka/seagrass-conservation.de

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