Das neue Jahr begrüßt uns mit zentimeterhohem Schnee und einer Märchenlandschaft wie wir sie gerade erst wieder bei „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ genossen haben. Und Schnee macht glücklich. Alle wollen raus: Schlittenfahrer, Schneemannbauer … und Wintertaucher.

In dieser eisigen Stille im heimischen Gewässer abzutauchen hat einen ganz besonderen Reiz. Das Knirschen unter den Füßlingen, das Abtauchen bei etwa 2-3° C, die mit Glück fantastischen Sichtweiten. Für Kaltwassertaucher ist diese Zeit ein Highlight – das aber auch erweiterte Vorkehrungen erfordert. Am wichtigsten ist ein solider Kälteschutz. Und zwar vor, während und nach dem Tauchgang. Wenn möglich zieht man sich in einer beheizten Umgebung um. Eine gute Alternative ist, bereits umgekleidet im Unterzieher am Tauchplatz einzutreffen. Dann muss man nur noch in den vom Fahrzeug aufgewärmten Trocki steigen. Ein kleiner Tipp: Hole am Vorabend die Kopfhaube aus Keller oder Garage und lege sie ins warme Bad. Trockenhandschuhe sind dringend angeraten. Sie erhöhen nicht nur den Komfort, sondern auch die Sicherheit. Denn mit steifgefrorenen Fingern kann man kaum mehr seinen Inflator bedienen. Kleine Kniffe wie heißer Tee vor und nach dem Tauchgang oder Heizsohlen unter den Unterziehsocken runden das Wohlbefinden ab. Wer sich nicht so gern in ultradicken Unterzieh-Overalls in ein Michelin-Männchen verwandelt, der ist mit langer Merino-Wäsche gut beraten. Frag mal in deinem Top Dive Shop.
Der Weg zum Wasser sollte so kurz wie möglich gehalten werden. Tatsächlich ist der Aufenthalt an der Luft die größte Strapaze für das Equipment, vor allem wenn die Lufttemperatur deutlich unter dem Gefrierpunkt liegt. Das Wasser wird kaum kälter als 2° C. Es geht also ins Warme! Sprich die Funktionstests von Atemregler und Inflator finden erst im Wasser statt. Natürlich werden solche Tauchgänge ausschließlich mit einer entsprechenden Kaltwasserkonfiguration durchgeführt. Und dann kann es auch schon losgehen mit dem Tauchgang durch die winterlich erstarrte Unterwasserwelt. Solltest du auf Lebewesen stoßen, auf keinen Fall berühren oder aufschrecken. Viele Fische haben in der Winterruhe ihren Energiehaushalt gedrosselt.
Nach dem Tauchgang kommt die Härteprobe für die Ausrüstung. Das Material ist nass und gefriert augenblicklich, je nach Außentemperatur. Sollte es keinen beheizten Raum geben, gilt es, schnellstmöglich Gerät und Trocki abzulegen. Beginnt das Material zu frieren, wird es schnell steif und kann leicht beschädigt werden. Übrigens: etwas warmes Wasser und Seifenlauge schont Latexmanschetten immens. Und dann ab in die warmen Klamotten und einen heißen Tee – fertig ist das Wintertauchvergnügen.
Natürlich lässt sich dieses Erlebnis auch im Nass- oder Halbtrockenanzug durchführen.
Text: Elmar Klemm
Foto: Erhard Schulz


