Diesen Sommer konnte man in unseren Gewässern wieder reichlich heimischen Großfisch antreffen: Stattliche Welse, kapitale Hechte … und natürlich Karpfen.
Karpfen (Cyprinus carpio) begegnen uns vor allem deshalb in den warmen Sommermonaten, weil ihr Stoffwechsel stark von der Wassertemperatur abhängt. Am aktivsten sind sie bei Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad. Dann können Taucher die Karpfen gut beobachten, wenn sie etwa im Uferbereich den modrigen Grund durchpflügen. Ihre Reviere sind recht leicht zu erkennen. Markant aufgewühlte Bodenkuhlen weisen auf ihre Tätigkeit hin. Mit ihren zwei Paar Barteln am Maul können sie selbst in trübem Wasser oder bei Nacht Nahrung aufspüren. Doch beim Durchwühlen des Grundes setzen sie auch eingelagerte Phosphate frei, was wiederum das Wachstum etwa von Armleuchteralgen anregt. Oft üppige Algenwiesen im Umfeld sind daher ein weiterer Hinweis auf ein Habitat. Ein sicheres Indiz ist der Bestand des Rauen Hornblatts. Diese Wasserpflanze fühlt sich nadelartig an, was die empfindlichen Mäuler von Karpfen reizt. Deshalb vermeiden die Tiere den Kontakt und können den Bestand nicht schädigen.
Ist euch schonmal aufgefallen, dass Karpfen oft recht unterschiedlich aussehen? Das hat einen guten Grund: Die Domestizierung des Karpfens reicht nämlich bis ins China vor über 2000 Jahren zurück. Als wichtiger Speisefisch haben Karpfen aber auch in Europa eine lange Tradition. Die meisten Arten die uns beim Tauchen begegnen sind Zuchtformen. Der bekannteste ist der Spiegelkarpfen mit seiner unregelmäßigen, großflächigen Beschuppung, Der Lederkarpfen dagegen hat, zugunsten der leichteren Verarbeitung, gar keine Schuppen. Man könnte sagen, je mehr Schuppen, desto dichter am Wildkarpfen. Auch sind die Wildformen deutlich weniger hochrückig und längst nicht so massig im Körperbau. Achtet mal drauf, ihr werdet den Unterschied schnell erkennen.
Und was hat es mit den Exoten auf sich? Der Koi ist eine japanische Zuchtform, die vor allem als Zierfisch gehalten wird. Und Goldfische sind zwar eng mit den Karpfen verwandt, gehören aber zur Art der Karauschen.
Text & Foto: Elmar Klemm

